Sehr geehrter Herr Dr. Dresely,
wir verfolgen die Errichtung des Steinkohlekraftwerkes mit großem Interesse und
stellen seit Jahren fest, dass das, was sich die Stadt Krefeld an unserer Stadtgrenze zumutet, für uns nicht mehr hinnehmbar ist.
Darunter fällt auch die von Ihnen geplante Errichtung des Steinkohlekraftwerkes. Wir sehen auch Ihren Zwang, wirtschaftlich arbeiten
zu müssen, um international wettbewerbfähig zu sein. Die Wärmeenergie für ihre Prozesse, in Form von Dampf, als Kuppelenergie zu
gewinnen wird hier auch von uns unterstützt. Dem Zwang, solche Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen, unterliegt jedes Unternehmen
und auch der Erneuerung seiner Energieerzeugungsanlagen.
Das von Ihnen geplante Steinkohlenkraftwerk, mit einer
Energieerzeugung deutlich über Ihrem Bedarf, wird aber die Feinstaubbelastung in unserer Region erhöhen. Die von Ihnen angeführte
Irrelevanzschwelle ist bei uns aufgrund der hohen Vorbelastung schon sehr hoch. In anderen Gebieten mit nicht so hoher Vorbelastung
würden die Schwellenwerte längst überschreiten sein und addiert man die einzelnen Irrelevanzschwellen, für besehende und geplante
Anlagen, auf der Stadtgrenze nach Krefeld auf, so wäre auch hier insgesamt die zumutbare Belastungsgrenze überschritten.
Bürgern mit geringem Einkommen wird zugemutet, dass sie sich ein neues Auto wegen zu hoher Feinstaubemissionen kaufen. Sie aber
würden mit dem geplanten Kohlekraftwerk die Feinstaubemissionen so erheblich erhöhen, dass die Belastungen durch Kraftfahrzeuge
wirklich unterhalb der Irrelevanzschwelle liegen, denn die industrielle Belastung in unserer Region liegt deutlich über 90 Prozent.
Mit welchem Ergebnis würde denn der einzelne Autofahrer dann zur Umweltbelastung beitragen? Hier entsteht ein arges Missverhältnis.
Auch die Industrie muss hier Ihren Beitrag leisten. In unserem schon stark belasteten Gebiet sollten andere Technologien oder
Brennstoffe eingesetzt werden, die nicht so hohe Emissionen verursachen. Dabei sind wir nicht, wie viele andere der Auffassung, dass
Kohle nicht grundsätzlich zur Verstromung genutzt werden sollte, aber der Standort in Krefeld-Uerdingen ist hierfür nicht geeignet,
zumindest nicht in dieser geplanten Dimension und der angewandten Technologie. Warum müssen wir hier Strom erzeugen, der in
Österreich verkauft wird, dies kann man auch an anderer Stelle tun, die keine so hohen Vorbelastungen aufweisen.
Dass sie zur
Kühlung des Kraftwerkes eine Durchlaufkühlung wählen, wo alle anderen Rheinanlieger in den letzten Jahren auf Kreislaufkühlung
umstellen mussten, bleibt in den bisherigen Ausführungen unerwähnt. Sie leiten damit eine neue Ära ein, denn alle anderen werden es
ebenfalls wollen, denn die Betriebskosten von Durchlaufkühlungen sind wesentlich geringer. Bei Mittelwasserstand leiten sie stündlich
rund 20 % der Rheinwassermenge durch das Kraftwerk in der Größenordnung von rund 90.000 m³/h. Damit werden wir wohl in den
Sommermonaten ohne weiteres Rheinwassertemperaturen von konstant über 30 °C haben und bräuchten dann, um Warmbaden zu wollen, nicht
mehr in andere Länder fahren, sondern können das alles am Niederrhein erledigen.
Nehmen Sie bitte unserer Bedenken an und verwenden sie entsprechende Technologien oder Brennstoffe und sie gewinnen in uns einen neuen
und zuverlässigen Partner, der sich dann auch für Ihre Sache einsetzen wird, denn auch die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen
hat bei uns einen hohen Stellenwert, zu dem wir uns auch offen bekennen. Industrie und Umweltschutz schließen sich nicht aus. Mit
dieser Prämisse können Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden bei gleichzeitig lebenswerten und gesunden Umweltbedingungen für
die Menschen.
Der geplante Bau des Steinkohlekraftwerkes findet mit den aktuellen Bedingungen so aber nicht unsere Zustimmung, so dass sie für diese
Planung nicht auf unsere Unterstützung hoffen können, es sei denn, sie kommen zu einer anderen Lösung.
Reiner Friedrich
SPD Fraktionsvorsitzender Rheinhausen