Den offenen Brief der Bayer Industry Services kann man in der vorliegenden Form so
nicht hinnehmen. Mit großer Freude haben wir die ablehnende Entscheidung
des Krefelder Stadtrates zur Kenntnis genommen. Endlich hat man auch in Krefeld verstanden,
dass man nicht alles zulassen darf, auch wenn es an der Stadtgrenze liegt und die
eigenen Bürger kaum betroffen sind.
Immer nur mit der Existenz des Industriestandortes
zu drohen ist sehr einfach und einfallslos.
Auch wir im Duisburger Westen
bekennen uns zum Chemiestandort in Uerdingen. Das heißt aber doch nicht, dass man alles
bedenkenlos und uneingeschränkt hinnehmen muss.
Die hier vorgeschlagene Planungs Variante
entspricht in keiner Weise dem Stand der Technik. Unabhängig von der Kessel- und
Brennstofftechnik ist alleine auffallend, das trotz der hohen Feinstaubbelastung in unserem
Ballungsraum mit offenen Kohlelagern gearbeitet werden soll und das Kraftwerk mit
Durchlaufkühlung arbeiten soll.
Seit Jahren werden Förderprogramme aufgelegt, die
Wärmefracht des Rheins zu reduzieren. Wie verträgt sich das mit den Planungen, dass mehr als 300 MW
Abwärme in den Rhein eingeleitet werden sollen?
Es wird zwar Wärme für den Chemiebetrieb ausgekoppelt,
aber die Frage der Fernwärmenutzung für Haushalte wird gar nicht diskutiert, obwohl die
Fernwärmeleitung, die einmal von Duisburg nach Krefeld Fernwärme liefern sollte oder umgekehrt schon
durch den Rhein und das Rheinvorland bis Bayer verlegt wurde.
Gleichzeitig sollte auch die Art der
Feuerung und damit auch die Belastung des Umfeldes bei einem solchen Projekt mit berücksichtigt
werden. Dies wurde bisher nicht nachvollziehbar in Bertacht gezogen, trotzdem im direkten Umfeld viele Bürgerinnen
und Bürger Duisburgs leben.
Das es sinnvoll ist, in einem Chemiepark Anlagen mit
Kraft-Wärme-Kopplung zu betreiben ist sicherlich unumstritten und wie sinnvoll es ist, alte
Anlagen durch neuere umweltfreundlichere zu ersetzen steht außer Frage und wird von der SPD unterstützt
und gefordert.
Aber wie sinnvoll ist es, Kohlekraftwerke der geplanten Art mit hohem Feinstaubausstoß
(420 t/a) in Ballungsräumen zu errichten, wenn gleichzeitig Luftreinhaltezonen für verkehrliche Einschränkungen
einrichtet werden sollen, um die Belastung für die Bevölkerung zu reduzieren. Durch solche
Großemittenten wird die Hintergrundbelastung an Feinstaub so stark angehoben, dass die
verkehrlichen Individualmaßnahmen sinnlos werden.
Es gibt sicherlich noch weitere technische
Alternativen, um die Versorgung des Chemieparks in Uerdingen zu sichern und auch die Emissionen zu
reduzieren, darüber sollte man nachdenken.
Die Technik ist noch nicht am Ende, neue intelligente
Vorschläge müssen eingearbeitet werden.
Die von Trianel vorgestellte Kraftwerkskonzeption ist die billigste
Version, die man überhaupt bauen kann und die Vorstellungen der Planer, solch ein Kraftwerk am Rhein mit
Durchlaufkühlung zu bauen, klingt schon sehr abenteuerlich.
Was sagen denn die anderen Betreiber am
Rhein, die in den letzten Jahren auf Kreislaufkühlung umbauen mussten? Rüsten die dann auch wieder auf
Durchlaufkühlung um?
Mit viel Mühe ist es geschafft worden, den Rhein sauberer zu bekommen und den Lebensraum
der Tiere deutlich zu verbessern. Es kann nicht der Weg sein, veraltete Techniken wiederzubeleben, nur um ein neues
Kraftwerk finanziell attraktiv zu machen.
Die SPD glaubt, dass dieses Projekt bisher nur mit
der heißen Nadel gestrickt worden ist und die Firma Bayer ihrem bisherigen Ruf folgen sollte, auf
den sie ja auch immer Wert legt, Vorreiter in der Umweltpolitik zu sein. Jetzt könnten sie es zeigen.
Aber nicht so.
Reiner Friedrich
Fraktionsvorsitzender SPD Rheinhausen