Gegenargumente zur Planung eines Kohlekraftwerks in Krefeld Uerdingen
von Manfred Krossa, SPD Fraktionsvorsitzender Rheinhausen (21.06.2010)

Zurzeit laufen Planungen, in unmittelbarer Nähe zum Chemiepark Uerdingen (ehemals Bayer) ein Kohlekraftwerk zu installieren, welches eine elektrische Leistung von ca. 780 MW produzieren soll. Der Investor Trianel (Zusammenschluss mehrerer Stadtwerke) plant diese Anlage direkt an der Stadtgrenze von Duisburg. Vorgesehen ist, einen Teil des Dampfes als Prozesswärme den Chemieanlagen zuzuführen. Die vom Chemiepark benötigte Prozessenergie würde bei 120 MW Elektrischer- und 80 MW Dampfenergie liegen.
In einem bereits hoch vorbelasteten Industriegebiet wie Duisburg, wäre aus Sicht des Umweltschutzes ein Kohlekraftwerk kontraproduktiv. Daher haben sowohl der Rat der Stadt Duisburg, wie auch die Bezirksvertretung Duisburg-Rheinhausen gegen diese Planung gestimmt.

Die SPD steht für den Erhalt der Arbeitsplätze im Chemiepark Uerdingen. Um dies zu erreichen ist eine effiziente, saubere zukunftssichere Energieversorgung nötig, die wir uns in Form eines Gaskraftwerks vorstellen. Verwirklicht werden könnte das entweder durch ein separates Gaskraftwerk oder durch eine chemieparkeigene Kraftwerkszentrale. Sollte eine Kraftwerkszentrale gebaut werden, so sollte diese mit mindestens 120 Prozent der zurzeit nötigen Energiemenge ausgelegt werden und alle vorhandenen alten Kessel stillgelegt werden (Versprechen des Chemiepark-Betreibers, wenn die neue Energieproduktion in Betrieb genommen wird). So würden bei ausreichendem Energieangebot für das Chemiewerk die Belastungen der Umwelt deutlich sinken. Die Beschäftigten der alten Kesselanlagen würden im neuen Kraftwerk bzw. der Energiezentrale weiterarbeiten und die Energieversorgung des Werkes wäre über lange Zeit gesichert.

Unsere Vorstellung geht also dahin, dass ein entsprechend geplantes Gaskraftwerk deutlich besser den Bedarf in unserer bereits hoch belasteten Umwelt erfüllen würde.
Der Investor Trianel baut bereits an anderer Stelle ein Gaskraftwerk, welches in der Leistung direkt vergleichbar wäre, warum dann nicht in Uerdingen?

Der richtige Weg wäre, in Krefeld-Uerdingen ein Gaskraftwerk zu bauen, welches die Energieversorgung des dortigen Chemieparks übernehmen soll. Eine ausreichend dimensionierte Erdgasleitung ist bereits erstellt worden.

Wir wollen kein Kohlekraftwerk, welches in der Kapazität deutlich über den Energiebedarf des Chemieparks liegt. Es kann und darf nicht sein, dass ein Kraftwerk, welches nach dem Jahr 2013 durch EU Regulierung keine Zulassung mehr erhalten würde, jetzt mit allen Mitteln durchgesetzt wird.
Des Weiteren lehnen wir die Kühlung des Kraftwerkes über den Rhein ab, denn das aufgeheizte Rheinwasser muss in unmittelbarer Nähe zwei Kraftwerke der Stadtwerke Duisburg kühlen, die bei Überschreitung der Rheinwassertemperatur von 27 Grad C energieaufwändige externe Kühler einschalten müssen.
Hierdurch gäbe es eine nicht gerechtfertigte zusätzliche Belastung der Stadtwerke Duisburg.

Das Kohlekraftwerk braucht den Chemiepark nicht, es läuft, ist es erst einmal in Betrieb genommen, für ca. 50 Jahre – mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen.

Wir verteufeln die Kohle nicht! Nur denken wir, dass die Kohle viel zu schade ist, einfach verbrannt zu werden.
Im Hinterkopf haben wir auch unsere nationale Kohle als Energiereserve, die gerade bei den abnehmenden Rohölmengen und den Schwierigkeiten bei der Exploration des Erdöls dessen Nutzung kritischer werden lässt, vor allem für unsere chemische Industrie.

In einem persönlichen Gespräch mit Herrn Dr. Dresely, Betriebsleiter des Chemieparks Uerdingen, wurde vorgeschlagen, die Kohle zu vergasen. Hierdurch würde Gas erzeugt, welches im Verbrennungsprozess eines Gaskraftwerks sauber verbrannt werden könnte. Des Weiteren könnten so aus der Kohle sehr viele chemische Grundstoffe gewonnen werden, die direkt im Chemiepark verarbeitet werden könnten. Die Abhängigkeit des endlichen Öls würde gemindert und die Zukunft des Standortes gesichert.
Antwort von Herrn Dr. Dresely:
„Ein gutes Verfahren, welches aber bei der augenblicklichen Lage keine Chance hat“.

Das sehen wir nicht so!
Für uns ist wichtig, dass die Zukunft nicht verbaut werden darf durch die Zwänge des Shareholder Value
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Planungen müssen wie früher über Jahrzehnte kalkuliert werden, dann würden sich auch höhere Anfangsinvestitionen rentieren und für die betroffenen Beschäftigten gäbe es Sicherheit und Vertrauen. Vorteilhaft wäre auch, dass sich diese neuen Entwicklungen und Techniken weltweit vermarkten ließen.

Im Übrigen wird die Kohle, vor allem die hochwertige deutsche, immer gebraucht werden, erinnert sei hier an die Produktion des Rohstahls.
Ohne Koks kein Stahl!

Die Verfahren zur breiten Nutzung der Kohle haben in Deutschland schon eine sehr lange Tradition. Das ehemalige Stadtgas kam aus den Kokereien und Firmen, wie z.B. BASF oder Rütgers haben ihren Erfolg mit der Kohlechemie begründet.